Gemeinwohlbilanz – Unternehmensbewertung 2.0

Gemeinwohlbilanz Daniel Bogner-Haslbeck SEMPACT AG

Gemeinwohlbilanz – Unternehmensbewertung 2.0

Unsere Netzwerker von der SEMPACT AG gehen einen neuen Weg: Sie haben für ihr Unternehmen die Gemeinwohlbilanz ermittelt. Sie geht zurück auf die Reformbewegung der Gemeinwohlökonomie, die 2010 in Österreich gestartet ist. Sie markiert den “Aufbruch in eine ethische Marktwirtschaft”. Die Grundlage ist eine Publikation von Christian Felber.
Damit nicht genug, die SEMPACT AG war so begeistert von dem Konzept und welche Vorteile es Unternehmen z. B. im Bereich Fachkräfte und Kundenbeziehungen bringen kann, dass sie nun andere Unternehmen unterstützen, ihre Gemeinwohlbilanz zu ermitteln. Wir haben mit Daniel Bogner-Haslbeck von der SEMPACT AG gesprochen.

Daniel Bogner-Haslbeck hat die Gemeinwohlbilanz für die SEMPACT AG ermittelt und unterstützt heute
große und kleine Unternehmen dabei.

Daniel, Du betreust das Thema Gemeinwohlbilanz in der Sempact AG. Was genau ist das?

Die Gemeinwohlbilanz ist eine Art Messinstrument für die Ausrichtung einer Organisation am Gemeinwohl. Die eigenen wirtschaftlichen Aktivitäten werden anhand der vier Grundwerte

  • Menschenwürde
  • Solidarität und Gerechtigkeit
  • ökologische Nachhaltigkeit und
  • Transparenz und Mitentscheidung

auf alle Berührungsgruppen hin untersucht. Dadurch erhält ein Unternehmen eine Bestandsaufnahme über die gesamte Wertschöpfungskette. Die Gemeinwohlbilanz liefert somit einerseits eine Aufnahme des Ist-Zustandes sowie auch einen Ausblick in die weitere Unternehmensentwicklung, indem Verbesserungspotenziale in den einzelnen Bereichen erarbeitet werden.

Die Gemeinwohl-Bilanzierung von SEMPACT habe ich in die Hand genommen, als ich ganz frisch in das SEMPACT-Team hinzugestoßen bin. Dies hat mir die Chance gegeben, die eigene Firma in einer Tiefe kennenzulernen, welche weit über eine Einarbeitung für meine zuständigen Fachbereiche hinausreicht. Zudem hat es mich durch das Festlegen von Zielen und Handlungsfeldern dazu befähigt, Einfluss auf die Zukunft des Unternehmens und seiner Ausrichtungen zu nehmen.

Gemeinwohlbilanz Sempact AG
Abbildung 1 – Die Werte der Gemeinwohl-Ökonomie

Was hat ein Unternehmen davon, sich dieser „Bilanzierung“ zu unterziehen?

Durch die Gemeinwohlbilanzierung erfolgt eine Reflektion des wirtschaftlichen Handelns mit 360°-Perspektive. Soziale und ökologische Themen werden ganzheitlich in einen unternehmerischen Kontext gebracht. Unternehmen können so zum Vorbild in Sachen werteorientiertem und enkeltauglichem Wirtschaften werden. Die Festigung von Kundenbeziehungen sowie die Attraktivitätssteigerung oder der -erhalt für engagierte und potenzielle neue Mitarbeitende sind Resultate der aktiven Auseinandersetzung mit der eigenen Gemeinwohlbilanz.

Das würde bedeuten, dass die Ermittlung und Verfolgung der Gemeinwohlbilanz hilft, sich auf dem Markt für Fachkräfte besser zu positionieren?

Auf jeden Fall! Die Gemeinwohlbilanz kann hier ein unterstützender Pfeiler sein, wenn es darum geht, Fachkräfte zu finden und zu binden!

Was passiert nach dem Prozess mit den Ergebnissen?

Die Bilanz besteht aus einem Testat sowie einem Bericht, welcher eine Vielzahl von Indikatoren enthält und eine Antwort liefert auf zahlreiche Fragestellungen. Beides wird nach Abschluss veröffentlicht und ist somit für alle interessierten Berührungsgruppen einsehbar.

Die Bilanz dient zudem als Werkzeug für weitere Organisationsentwicklungsprozesse. Dadurch bleibt es nicht beim Bericht, sondern es entsteht eine Strategie und ein Fahrplan für eine nachhaltige Transformation, welche mit konkreten Zielen und Maßnahmen verfolgt werden kann.

Abbildung 2 – Gemeinwohlmatrix mit exemplarischen Fragestellungen

Für welche Unternehmen macht diese Gemeinwohlbilanz Sinn?

Prinzipiell kann jedes Unternehmen, jeder Verein, jede Gesellschaft oder auch Kommune eine Gemeinwohlbilanz aufstellen. Wichtig ist, dass die Organisation bereit ist, Zeit für die Erarbeitung ihrer Gemeinwohlbilanz aufzubringen.

Ein Motivationstreiber für die Bilanzierung kann eine Ausstrahlungswirkung als attraktiver Arbeitgeber durch visions- und missionsgetriebenes Arbeiten sein. Ebenso können Wettbewerbsvorteile durch zufriedene Kunden, Weiterempfehlungen und höhere Chancen bei öffentlichen Ausschreibungen (durch die Erfüllung sozialer und ökologischer Kriterien) entstehen. Die Bilanzierung dient auch dazu, Geschäftsmodelle für suffizientes Wirtschaften in regionalen Kreisläufen zu generieren und zu stärken.

Können Unternehmen vorab prüfen, was sich genau hinter dem Prozess der Gemeinwohlbilanz verbirgt?

Was Nachhaltigkeitsberichterstattungsstandards angeht, punktet die Gemeinwohlbilanz im Hinblick auf ihre Transparenz. So empfiehlt beispielsweise auch der Europäische Wirtschafts- und Sozialausschuss das Modell der Gemeinwohl-Ökonomie, um ein ethisches Wirtschaftssystem breitflächig zu etablieren. Alle bilanzierenden Unternehmen veröffentlichen ihre Gemeinwohlberichte auf deren Webseite und auch auf der offiziellen Seite der Gemeinwohl-Ökonomie lassen sich diese abrufen. So ist es einfach, mit Menschen und Organisationen in Kontakt zu treten, welche den Schritt zum gemeinwohlbilanzierten Unternehmen bereits gegangen sind. Erfahrungen können aus erster Hand weitergegeben werden. Weitere Information hierzu lassen sich finden unter: https://web.ecogood.org/de/unsere-arbeit/gemeinwohl-bilanz/unternehmen/

Wie können kleine Unternehmen diesen Prozess umsetzen? Welche Unterstützungsmöglichkeiten gibt es?

Für kleine Unternehmen hat die Gemeinwohl-Ökonomie ein Konzept namens „Peer-Gruppen“ entwickelt. Dabei finden sich mehrere Unternehmen aus einer Region zusammen und beschließen, sich gemeinsam dem Gemeinwohl-Bilanzierungsprozess zu stellen. Durch die Vernetzung gleichgesinnter Unternehmen können diese voneinander lernen und sich gegenseitig inspirieren. Ein Bilanzierungsprozess erstreckt sich in der Regel über einen Zeitraum von einem halben bis zu einem Jahr und die Unternehmen werden dabei meist von einem ausgebildeten Gemeinwohlberater oder einer -beraterin begleitet.

Abbildung 3 – Peergruppen-Prozess für die Erstellung einer Gemeinwohlbilanz

Danke für das Gespräch Daniel und die spannenden Informationen zu diesem Thema.


Wenn Du nun neugierig geworden bist und Interesse hast, dann wende Dich gerne an Daniel Bogner-Haslbeck oder an Judith Kenk vom Netzwerk Seenplatte. Gerne unterstützen wir die Gründung einer Peer-Gruppe in MV und Umgebung!

Die SEMPACT AG

Neue Wege denken, statt mit dem Strom schwimmen, anpacken statt reden – das sind unsere Stärken. Zusammen mit Ihnen schaffen wir machbare, investitionssichere Schritte hin zu einer cleveren Klimaverantwortung für Ihr Unternehmen. SEMPACT berücksichtigt dabei sämtliche Einflussfaktoren – sowohl technische, wirtschaftliche als auch organisatorische und kulturelle. Wir entwirren das vielschichtige Ursachengeflecht Ihrer Klimaauswirkungen. Von der Beratung über die Auswahl und Implementierung der Technologie, die Integration von Managementsystemen bis hin zur Auditierung sind wir an Ihrer Seite. Mit unserer Begleitung finden Sie Ihren Weg: für eine wirksame Reduzierung Ihrer negativen Klimaauswirkungen mit Erfolgsgarantie.

 

Netzwerk Seenplatte