Auf ein GEHspräch mit Annett Liskewitsch

Annett Liskewitsch Brainwalk 1

Auf ein GEHspräch mit Annett Liskewitsch

Seit August bietet das Netzwerk Seenplatte eine neue Form des Netzwerkens an: Die sogenannten Business Walks, das bewegte Netzwerken an der frischen Luft. Möglich geworden ist das mit Unterstützung von Annett Liskewitsch von „DIE SCHRITTEMACHER“ aus Bentwisch bei Rostock. Wir wollen heute mehr erfahren über die Vorteile des bewegten Netzwerkens.

Annett, du bezeichnest Dich selbst als GEHsprächspartnerin, persönliche Wegbegleiterin, empathische Zuhörerin und Kommunikationsstrategin. Das sind viele Talente in einer Person. Erkläre uns, was sich genau dahinter verbirgt und warum Du all das bieten kannst!

Hinter all diesen Bezeichnungen – Talenten – verbergen sich die Bestimmung und das tägliche Engagement von DIE SCHRITTEMACHER: eine (noch) One-Woman-Show, die auf zwei Standbeinen durchs Berufsleben geht. Mein Motto lautet: Move your life! Beweg dein Leben! Ich bewege nicht nur mich, sondern auch meine Kunden und ihre Projekte bzw. Unternehmen. Und das auf unterschiedlichste Art und Weise, sowohl auf realen Wegen (GesundGehen) als auch auf diversen KommunikationsWegen (WortWege).

Klingt interessant. Wie kann ich mir das vorstellen?

Mein KönigsWeg ist das BrainWalking bzw. das KreativGehen. Es ist die Verbindung meiner beiden Bereiche, von GesundGehen und WortWege. Beim Coaching to go, wie das Brainstorming von einigen Kunden genannt wird, verbinde ich Bewegung, Kreativitätsmethoden und mein Marketing-Wissen. Denn Gehen ist nicht nur eine Nebenerscheinung, um schnell von A nach B zu kommen. Gehen ist das Windrad fürs Gehirn. Wann immer jemand feststeckt, Denkanstöße und Inspiration für ein kreatives Projekt benötigt, sollten wir zusammen gehen. Jegliche Blockaden, ober körperliche, Denk- oder Schreibblockaden, lösen sich beim Gehen; Kreativität und Leistungsvermögen werden gefördert.

GesundGehen steht als Gegenbewegung zur wachsenden Vereinsamung und zum akuten Bewegungsmangel in unserer Gesellschaft. Schon 30 Minuten regelmäßiges Gehen wirkt sich positiv auf unsere körperliche und mentale Gesundheit aus. Ich bringe Frauen, Mitarbeiter, Lehrer und Schüler in Bewegung, damit sie gesünder und glücklicher, kreativer und klüger werden.

Auf meinen WortWegen entdecke ich gemeinsam mit meinen Kunden spannende und zeitgemäße Wege im Marketing und in der Unternehmenskommunikation. Insbesondere Gründern, aber auch Jung- und Kleinunternehmern fehlt oft Zeit, Knowhow oder Personal, um den für sie passenden Weg in die Öffentlichkeit zu finden.  Dabei unterstütze ich sie gern und gebe meine Gründungserfahrungen weiter.

Apropos Erfahrungen: davon habe ich viele. Als WEGbegleiterin kann ich von meinen eigenen Schritten und (Um)Wegen berichten. Ich habe ein großes Netzwerk, in dem ich mich mit wunderbaren Menschen austausche und wir uns gegenseitig fördern und unterstützen. Ich bin und war schon immer gern unterwegs: sowohl während des Studiums als auch danach, allein, zu zweit und mit Familie. Ich habe viele Erlebnisse, über die ich erzählen kann, die ich, wenn es zum Thema passt, als Gedanken in die GEHspräche einbringe. Ich bin wissbegierig, vielseitig interessiert, lese viel und bilde mich immer weiter. Stehenbleiben ist für mich keine Option.

Erster Business Walk in Malchow

Helfen Dir bei Deiner Berufung als GEHsprächspartnerin besondere Talente?

GEHsprächspartnerin bedeutet auch, zuhören zu können. Das kann ich. Ohne dass ich es herausgefordert oder gewollt hätte, haben mir Freunde, Kunden und Geschäftspartner viel Persönliches anvertraut, haben bei mir „ihr Herz ausgeschüttet“ oder „sich etwas von der Seele geredet“. Ich bin eine empathische Zuhörerin, die nur wertet oder analysiert, wenn es gewünscht ist. Das ist das Besondere bei meinen GEHsprächen: die Gehenden fühlen sich freier als im geschlossenen Raum beim Therapeuten, Coach oder Vorgesetzen. Mit jedem Schritt werden die Gedanken fließender, kommen leichter heraus, können einfacher ausgesprochen werden. Wie bereits erwähnt, löst das Gehen so einige Blockaden in uns, lässt uns in den sogenannten Flow kommen. 

Dann hast du noch die KommunikationStrategin angesprochen. Kommunizieren, ob mündlich oder schriftlich, ist einfach mein Ding. In meinem ersten Berufsleben als Projektleiterin und Eventmanagerin war ich für Akquise, Vertrieb, Marketing sowie Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zuständig, habe viel geschrieben und viel geredet, Interviews in TV und Rundfunk gegeben, Pressekonferenzen gehalten, mit Kunden und Partnern verhandelt. Da ist ein gewisses Gespür für die richtigen Worte und passenden Betonungen nötig.

Für die schriftliche Kommunikation hatte ich schon immer Faible. Die zieht sich wie ein roter Faden durch meinen bisherigen Werdegang. Ich habe schon immer gern und viel geschrieben: als Schülerin Tagebücher, Kurzgeschichten und lange Aufsätze; als Studentin Essays, Buchanalysen und Reisenotizen; als Projektleiterin bei der Messe zahlreiche Werbetexte, Pressemitteilungen, Newsletter, Kunden-Mailings, Interviews, Grußworte und Online-Texte und nun als freiberufliche Texterin Wort-Kompositionen unterschiedlichster Art.

Was genau passiert beim Gehen mit Körper und Geist, warum ist es so wertvoll?

Schon Hippokrates sagte vor über 2000 Jahren: „Gehen ist des Menschen beste Medizin.“ Aktuell hört man Thesen wie „Gehen – die Medizin des 21. Jahrhunderts“ oder „Gehen – das Heilmittel des Alltags“. Gehen ist ein wichtiger Pfeiler der menschlichen Gesundheit. Regelmäßiges Gehen führt zu bestimmten Anpassungserscheinungen im Körper, aber auch in der Seele und im Geist.

Hier ein kleiner Überblick über das, was beim Gehen in unserem Körper und Kopf geschieht.

Regelmäßige Bewegung an der frischen Luft stärkt das Immunsystem. Es hat positiven Einfluss auch auf Linderung und Heilung von Krebserkrankungen nach der Chemotherapie. Beim zügigen Gehen bringen wir unser Herz-Kreislauf-System auf Trab. Das Herz muss weniger schlagen, Herzfrequenz, Puls und Blutdruck sinken. Je nachdem wie oft und wie zügig man geht, vermindern Spaziergänge und Wanderungen das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle.

Beim Gehen trainieren wir die Lunge. Durch die Beanspruchung lernt die Lunge, ökonomischer zu arbeiten: sie nimmt pro Atemzug mehr Luft und Sauerstoff auf, die Atmung wird regelmäßiger. Noch bessere Auswirkungen hat es, wenn wir im Wald gehen und atmen. Denn dort atmen wir zusätzlich die Terpene (ätherischen Öle in den Pflanzen) ein.

Gehen ist ein moderates Ausdauertraining, stärkt Muskeln und Knochen und macht schlank. Durch das Atmen verbrennt der Körper Fett, um die nötige Energie für die Muskelarbeit bereit zu stellen. Die Dichte der Knochen-, Knorpel- und Sehnenzellen steigt, der Fett- und Wassergehalt sinkt. Die gesamte Haltemuskulatur wird schonend trainiert. Durch die leichte Stoßbelastung der Wirbelsäule beim Gehen, werden die Knochen aktiviert, was als eine Art Osteoporose Prophylaxe gesehen wird.

Gehen ist der beste Anti-Aging-Booster. Regelmäßiger moderater Ausdauersport – darunter zählt Gehen – mindestens zweimal pro Woche, verlangsamt den Alterungsprozess. Von außen betrachtet kommt es zu einem verbesserten Aussehen, einen frischen Teint, straffe Arme und Beine. Im Körper messen Wissenschaftler sogenannte Biomarker wie Knochendichte, Muskelmasse, Blutfette, Blutzuckerspiegel und Stoffwechsel. Laut Studien kann uns Sport um 15 Jahre verjüngen.

Gehen entspannt, entschleunigt und stärkt die Resilienz. Regelmäßiges Gehen hilft, einen Stresspuffer aufzubauen, mit dem man es schafft, Stress bis zu einem bestimmten Grad gar nicht erst entstehen zu lassen. Gehen hilft bei Neurosen und Depression. Der Anblick von grünen Wiesen und Wäldern hebt die positive Stimmung und verbessert das Selbstwertgefühl. Der Spiegel des Wohlfühlhormons Serotonin in unserem Gehirn steigt.

Gehen ist wie ein Windrad fürs Gehirn. Studien belegen, dass die Gehirnmasse wächst und sich neue Gehirnstrukturen bilden. Durch regelmäßiges Gehen werden wir geistig fitter bzw. bleiben wir es. Gehen fördert das kreative Denken, die Konzentrationsfähigkeit und beugt Demenz vor. Gehen wir allein, kommt unser Geist zur Ruhe. Gehen wir zu zweit oder mit mehreren und unterhalten uns, hat der Austausch untereinander eine große Wirkung. Wir „verschaffen uns Luft“ oder „reden uns etwas von der Seele.“

Gehen ist so wertvoll, weil es so einfach und dennoch so wirksam ist. Gehen „geht“ immer und überall. Wir brauchen keine aufwändige Ausrüstung, keine teuren Abos, müssen nichts reservieren, planen oder vereinbaren. Gehen ist Prophylaxe und Medikation, natürliche Stressbewältigung und Regeneration, das beste Anti-Aging-Mittel für Körper und Geist.

Angeregte GEHspräche: Austausch, Networking und etwas Gutes für die Gesundheit tun!

Du warst nicht immer GEHsprächspartnerin. Was hast Du vorher gemacht und wie bist Du „DIE SCHRITTEMACHERIN“ geworden?

Ich habe ein Magister in Anglistik/Amerikanistik, Romanistik mit Schwerpunkt Spanisch und Soziologie. Nach der Uni habe ich 2 Jahre bei der IGA Rostock 2003 GmbH gearbeitet. Dort war ich für die internationalen Teilnehmer und all ihre Belange zuständig. Nach einem Jahr Babypause fasste ich Fuß in der Messebranche, wo ich 14 Jahre als Projektleiterin angestellt war.

Mein Körper gab mir in den letzten Jahren immer mal wieder Zeichen, doch die habe ich „erfolgreich“ ignoriert bzw. überhört. Im Osterurlaub 2018 auf Madeira knickte ich am ersten Urlaubstag so jämmerlich um, dass ich mir einen Kapselriss im rechten Knöchel zuzog und wieder zu Hause vier Wochen im wahrsten Sinne des Wortes lahmgelegt war.

Mein Leben auf der Überholspur hatte mich eingeholt

Plötzlich hatte ich Zeit zum Nachdenken, zum Überdenken meiner beruflichen Situation, mit der ich schon seit einiger Zeit nicht mehr zufrieden war. Zu dem Knöchel, der einfach nicht heilen wollte, kamen immer mehr Baustellen hinzu. Mein Leben auf der Überholspur hatte mich eingeholt und ich verglich mich mit einem PKW: der Tank war leer, der Motor schwach und die Karosserie beschädigt.

Ich bekam sehr schnell einen Reha-Platz, dessen Beginn nicht verhandelbar war. Fünf Wochen weit weg vom stressigen Alltag und Messegeschehen, von Verpflichtungen, Druck und selbst auferlegten Perfektionismus. Zeit für mich, für meinen Körper und meine Gedanken. Während des Reha-Aufenthaltes lernte ich diverse Sportarten kennen, überwand bei einigen meine „selbst erdachten“ Grenzen und begeisterte mich fürs Nordic Walking bzw. für GEHEN allgemein.

Auch Annett Liskewitsch hat ihren Weg suchen müssen.

Wieder zuhause führte ich nicht nur meine morgendliche Spaziergeh-Runde (die während der Reha Pflicht war) fort, sondern versank wortwörtlich in unendlichen Artikeln, Testergebnissen und wissenschaftliche Abhandlungen zum Thema GEHEN. Für sehr viele physische und psychische Probleme verspricht GEHEN Heilung oder ist zumindest eine Möglichkeit zur Verbesserung. Zusätzlich entdeckte ich den People Walker in LA, USA, einen hauptberuflichen Spaziergänger, der sich innerhalb von wenigen Jahren ein Unternehmen aufgebaut hat, das Spaziergeh-Begleitungen anbietet. Ich nahm Kontakt zu ihm auf und bekam innerhalb eines Tages eine sehr schöne, inspirierende und Mutmachende E-Mail von ihm zurück. Das war der Anstoß für mich, ein Business aus dem Thema GEHEN zu entwickeln.

Während eines Strandspaziergangs im November 2018 kamen mein Mann und ich auf die Idee mit DIE SCHRITTEMACHER. Schnell sicherten wir uns die Domäne, ich nahm Kontakt zu einer Grafikerin auf, die noch im Dezember mit den ersten Entwürfen für meine Internetseite begann. Im Januar 2019 besuchte ich den Gründungskurs beim Verein Frauen in die Wirtschaft e.V. hier in Rostock, wo meine zweite Geschäftsidee – die WortWege – geboren wurde. Im Februar/März schloss ich dort noch ein Einzelcoaching an und nutze das Frühjahr 2019 für Testläufe, guckte mir diverse Wege in der Umgebung aus, sprach mit vielen Bekannten aber auch Fremden über meine Idee, stellte mich immer wieder vor. Das Feedback war durchaus positiv, auch wenn das Thema GesundGehen sehr erklärungsbedürftig war und teilweise noch ist. Seit August 2019 bin ich mit DIE SCHRITTEMACHER selbstständig und habe es noch keinen einzigen Tag bereut.

Welche Prozesse kannst Du gehend begleiten? Wer sollte zu Dir kommen bzw. mit Dir gehen?

Ich begleite meine Kunden auf unterschiedlichen Wegen, bei verschiedensten Themen bzw. Fragestellungen. Das fängt an bei der Ideenfindung für einen beruflichen Neuanfang – oft gehe ich mit Gründungsinteressierten – oder der Findung eines Namens für das neue Business. Das geht weiter über BrainWalks (Erklärungen dazu weiter unten) zum aktuellen IST-Zustand im Marketing oder auch in der Akquise und im Vertrieb mit Blick auf neue Wege, weil die alten nicht mehr begehbar sind, durch Corona o.ä., bis hin zu Neuausrichtungen der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, in der unter anderem auch die textliche Planung und Strukturierung von Internetseiten, Unternehmensbroschüren oder Flyern Gegenstand der Unterhaltung sein kann.

Neben den Gründern, Start-Ups oder Angestellten, die mit dem Gedanken, in die Selbstständigkeit zu gehen, spielen, führe ich meine GEHspräche mit Jung- und Einzelunternehmen, sowie mit KMU bzw. einzelne Abteilungen aus den Unternehmen. Das erfolgt entweder im 1:1 und 1:2 Coaching to go oder aber mit einem größeren Team bzw. mehreren Teilnehmern einer Konferenz, eines Meetings. Bei dieser Konstellation wechsle ich dann zwischen den Paaren oder Dreier-Gruppen, die sich automatisch bilden.

Letztendlich begleite ich all jene gern beim Brainstorming to go, die durch Corona ausgebremst wurden; die sich wie in einer Sackgasse fühlen; deren alten Pfade holprig und ausgetreten sind. All jene, die wieder Gas geben und vorankommen wollen; die auf der Suche nach alternativen Routen sind, die (zurück) auf die Hauptstraße bzw. Überholspur wollen. Die Branche oder das Thema sind dabei nebensächlich.

Im Anschluss an das KreativGehen stelle ich, wenn gewünscht, einen Wegweiser mit den besprochenen Themen und gefundenen Ideen zusammen. Mit diesem können die nächsten Schritte geplant werden. Geht es um neue Wege im Marketing und in der Öffentlichkeitsarbeit, kann ich mit meinem WortWege Service – dem Schreiben von Texten jeden Couleurs – anschließend weitere Unterstützung anbieten: von klassischen Pressemitteilungen, Reportagen, Portraits oder Interviews über (Werbe-)Texte für Flyer, Prospekte, Mailings & Newsletter bis hin zu Akquiseschreiben, Imagebroschüren, Kundenmagazinen, Jahresrückblicke oder Konzeptentwicklungen.

Gern begleite ich meine Kunden auch auf ihren Wegen in den Sozialen Medien. Ob Texte für einzelne Aktionen, ein monatlicher Redaktionsplan mit Text- & Bildvorschlägen oder die komplette Betreuung ihrer Accounts, ich liebe Content Marketing und habe die Profile der Kunden im Blick, so dass sie sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren können.  Alle Textarten kann ich auch in Englisch verfassen.

Annett stellt nach einem gemeinsamen “KreativGehen” einen Wegweiser zusammen,
für die nächsten Schritte.

Für UnternehmerInnen und Teams bietest Du „BrainWalking“ und „KreativGehen“ sowie die „Power Walking Pause“ an. Was ist das und welche positiven Entwicklungen oder Ergebnisse beobachtest Du nach solchen bewegten Terminen?

Gehen und Denken sind in unserer Sprache eng verknüpft: Wir gehen einer Sache nach, verfolgen einen Gedankengang oder einen Bildungsweg. Wir wollen in Gang kommen oder Fuß fassen. Wir wollen uns nichts entgehen lassen, auf Nummer sicher oder sogar darüber hinaus gehen. Und so manch guter Einfall kommt uns unterwegs.

Das kennt bestimmt jeder: die Gedanken sind festgefahren, wir sitzen vor einem weißen Blatt oder einem schwarzen Bildschirm, der Cursor blinkt und nichts passiert. Grübeln und wütend werden macht es nur noch schlimmer. Ob Büro oder Homeoffice, ob Agentur oder Kanzlei, wir sind ständig auf der Suche nach neuen Ideen und Lösungen. 2020 im Corona-Jahr mehr denn je. Ein Wechsel der Umgebung hilft dabei, alte Assoziationen, eingefahrene Gedankengänge und auch Konflikte loszulassen und innovative Lösungswege zu finden.

Ideen und Lösungsvorschläge liegen praktisch am Wegesrand zum Aufsammeln bereit.

Das einfachste Lösung ist: Raus gehen! Gehen regt Denkprozesse an, löst Blockade sowie eingefahrene Glaubens- und Denkmuster. Ideen und Lösungsvorschläge liegen praktisch am Wegesrand zum Aufsammeln bereit. Allein gehen kann schon einiges bewirken, doch richtig effektiv und spannend wird es, wenn ich die Geschäftsführerin, den Marketingleiter und ein kleineres Team beim Gehen begleite. Als Außenstehende und als Gedanken-Anstubserin stelle ich andere Fragen, fordere Erklärungen ein, die „zum anders an die Sache rangehen“ inspirieren und bringe meine Gedanken und eigenen Erfahrungen zum jeweiligen Thema ein.

Das gehende Gehirn ist bereit für Neues!

Ich nenne dieses bewegte Brainstorming BrainWalking oder KreativGehen. Gehen aktiviert unser Gehirn und bringt uns in einen lernbereiten Zustand. Aus evolutionärer Perspektive macht das Sinn. Denn wenn unsere Vorfahren zu Fuß unterwegs waren, erwarteten sie neue Erfahrungen und Reize. Und genau darauf bereitet sich unser Gehirn heute wie damals vor. Das gehende Gehirn ist bereit für Neues!

Die Ergebnisse sind erstaunlich. Nicht gleich zu Beginn der Wanderung, denn wir müssen erst in Schwung, in den sogenannten Flow kommen. Deswegen sind zwei Stunden Minimum bei den BrainWalks. Aber nach und nach fließt es aus den Köpfen heraus, sprudeln die Gedanken. Eine Teilnehmerin schrieb mir abends per Handy: „Ich bin immer noch total geflasht von unserem heutigen Walk. Wir haben uns gleich hin- und eine Idee umgesetzt.“ Schöneres Feedback kann ich mir zum Feierabend nicht wünschen.

Und dann gibt es noch die Power-Walking-Pause – die bewegte Mittagspause, um das gefürchtete Suppenkoma am Nachmittag zu verhindern. Ich bin ausgebildete Power Walking Trainerin, bringe mehr Schwung und Motivation in den Arbeitsalltag und verringere somit die Krankschreibungsrate in den Unternehmen. Spaziergänge in der Arbeitszeit sind nicht nur für das Team des betrieblichen Gesundheitsmanagements interessant: Gehen fördert die Gesundheit und das Wohlbefinden der Mitarbeiter sowie deren Produktivität.

Du richtest Deine Angebote nicht nur an UnternehmerInnen, sondern auch an die jüngsten Bürger und Lehrer. Erzähl mal, was genau verbirgt sich dahinter?

Bewegung ist ein enorm wichtiger Entwicklungsfaktor für Kinder. Bewegung fördert nicht nur die körperliche und geistige Gesundheit, sondern auch soziale Kompetenz. 1-2 Stunden Schulsport pro Woche reichen dafür jedoch nicht aus. Auch hängt die Qualität von Bildung und Erziehung vom Engagement und der physischen sowie psychischen Gesundheit der Lehrer ab. Ich habe ein Konzept entwickelt, das sowohl Lernenden als auch Lehrenden einfache Übungen und Tipps aufzeigt, entspannter, konzentrierter und vor allem mit Spaß und Freude durch den Schulalltag zu gehen.

Bewegung ist ein enorm wichtiger Entwicklungsfaktor für Kinder.

Ob Impulsvortrag, Workshop oder Ganztagswanderung, wir beginnen jeweils mit einer Darstellung vielfältiger Anpassungserscheinungen und positiver Auswirkungen auf Körper und Geist durch Bewegung im Allgemeinen bzw. durch das GEHEN im Konkreten. Der zweite, aktive Teil der Workshops ist praxisorientiert. Er stellt Übungen sowie Bewegungsspiele vor und gibt Anregungen, die individuell bzw. gemeinsam mit den Schülern vor, im und nach dem Unterricht durchgeführt werden können: Übungen für Stressabbau & Entspannung, Energiefluss & Aktivierung, Konzentration & Ruhe.  

Gern würde ich den ursprünglichen Sinn der Wandertage wieder zurück in die Schulen bringen. Dem hat sich auch der Deutsche Wanderverein DWV e.V. verschrieben, mit der „Resolution Schulwandern“, die 2015 verabschiede wurde. Ziel ist es, Kindern und Jugendlichen regelmäßige Schulwanderungen in der Natur zu ermöglichen. Auf meiner Projekt-Ideen-Liste stehen u.a. Gehirn-Spaziergänge (bei denen der Unterrichtsstoff draußen gehend vermittelt und geübt wird), Geh-Meditationen sowie Barfuß- und Naturlehrpfade.

Auch für die Lehrer bietet sich ein Wandertag als Lehrerfortbildung an. Beim Gesundheitswandern oder BrainWalking können konkrete Themen und schulinterne Ziele „angegangen“ werden. In Bewegung entsteht zwischen den Teilnehmern Kommunikation und Interaktion. Inspiration und Kreativität werden stärker geweckt als in der Nicht-Bewegung.

Was macht denn Annett Liskewitsch, wenn sie nicht weiterweiß? Was ist Dein Favorit, um in eingefahrenen Themen weiterzukommen?

Ich mache tatsächlich genau das, worüber wir gerade gesprochen haben, was ich meinen Kunden und allen empfehle, wenn es mal stockt, wenn wir im Gedankenstau stecken: raus gehen! Egal bei welchem Wetter. Ich habe gemerkt, dass gerade Wind und Sturm den Kopf schneller freipusten, dass leichter Nieselregen die (lähmenden, drückenden) Gedanken noch schneller (ab-)fließen lässt.

Wenn die Füße gehen, können die Gedanken wandern.

Ich versuche jeden Morgen die erste Runde des Tages (mit Nordic Walking) zu gehen: zum wach werden, zum Tag planen oder Ideen für den Social Media Post zu bekommen, wenn dieser noch nicht vorbereitet sein sollte. Zurück im Homeoffice kann ich mich dann erfrischt und voller Energie an den Schreibtisch setzen. Sollte ich tagsüber feststecken und nicht weiterkommen und dadurch unruhig und gereizt werden (weil Deadlines einzuhalten sind o.ä.) gehe ich entweder barfuß durch den Garten (das erdet, beruhigt und gibt über die Fußreflexzonen schöne Anreize) oder schnappe mir meine Rollerblades. Hauptsache in Bewegung sein. Dann kommt auch wieder Bewegung in den Kopf. Ganz nach Henry David Thoreau: Wenn die Füße gehen, können die Gedanken wandern.

Vielen Dank für das spanennde Interview, Annett!

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